Warum dieser Hof anders ist

Unsere Felder tragen keine Nummern. Sie tragen Erinnerungen an Regen, Frost, Sonne und Handarbeit, an Feldfrüchte, Beikraut, Rehe, Hasen, Feldlerchen. An gute und weniger gute Ernten Erinnerungen an das Stroh, an Futter für die Tiere, an gute schlechte Bedingungen. Diese Erinnerungen sind immer dabei, wenn man im Mai im Gemüse über frisch gejätete Reihen geht, wenn der Boden nach Regen riecht, wenn Blindschleichen zwischen Blühstreifen huschen und die Tiere auf der Weide im Gras liegen und wiederkäuen. 

Wir bauen an und pflegen, weil hier Leben stattfindet – nicht nur Pflanzen oder Tiere, sondern ein Netz von Organismen, von Bodenleben bis Säugetier, von Spinne bis Vogel.

In einer Zeit, in der alle Höfe unter extremen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwängen stehen, geht es uns um echte, tragfähige Lösungen, die unseren Hof langfristig sichern – für heute, morgen und kommende Generationen


Wir verstehen Landwirtschaft in erster Linie als Gemeinschaft mit der Natur, nicht nur als Dienstleistung für den Markt.

Solidarität & tragfähiges Modell 

Unser Hof verbindet heute Verbraucherinnen und Erzeugerinnen über direkte Versorgungssysteme.

Wir bewirtschaften knapp 60 Hektar nach Demeter‑Richtlinien und verstehen unseren Hof als lebendigen Organismus, in dem alles zusammenwirkt: 

Tierhaltung mit Milchvieh und Mutterschafen – in artgerechten Lebensräumen

Ackerbau und Gemüseanbau – vielfältig, saisonal und regional

Eier, Milchprodukte und Fleisch – direkt erzeugt und schonend verarbeitet

Hofladen & Hofkiste – frische Lebensmittel ohne Umwege

Bauernhofkindergarten – Kinder erleben Landwirtschaft hautnah

Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern Ausdruck unseres Verständnisses: Artenvielfalt, Fruchtfolge, Tier-Pflanzen-Kreisläufe und naturnahe Lebensräume gehören zusammen. 

 

Tiere - mehr als Haltung

Tiere bei uns haben Tageslicht, Bewegung, Kontakt zu Artgenossen und Bezug zum Weideboden. Sie sind kein Produktionsfaktor, sie sind Partner im Hofkreislauf. Kühe, Ochsen, Schafe weiden, mulchen, hinterlassen Futterreste - Nahrung für Bodenpilze, Insekten, Würmer und das gesamte Ökosystem

Artgerechte Haltung heißt bei uns nicht nur Auslauf. Es heißt natürliche Rhythmen, Wetter, Jahreszeiten und Tageszeiten. Wir füttern nicht, nur um Gewicht zu erzeugen.
Wir füttern so, dass Futter Wirkung in der Landschaft hat – wo es in Form von Dung landet, regt es Bodenleben an. 

Boden – Herz des Hofes

Boden ist für uns nicht nur „Erde“, sondern Erinnerung, Speicher, Lebensträger.

Ein Boden, der Wasser wie ein Schwamm hält ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von Jahrzehnten, in denen wir immer noch lernen: 

  • Humus aufzubauen statt ihn auszubrennen
  • tiefwurzelnde Pflanzen statt flacher Monokulturen
  • Lebendige Fruchtfolgen statt eintöniger Reihen

In jedem Quadratmeter Boden leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde existieren. Wir messen nicht in Ertrag pro Hektar. Wir messen in Bodenleben, Regenversickerung, Wasserspeicherung, Wurzelnetzwerken.

Unsere Felder sollen
Lebensräume sein und bleiben - auch oder gerade in Zeiten des Klimawandels.


Jahresrhythmus – der Hof als Kreislauf

Unser Hof lebt nicht in Monaten.
Er lebt im Jahreskreislauf.

Frühjahr: erste Salate, Bärlauch, neue Triebe

Sommer: Fülle – Tomaten, Zucchini, Bohnen, Kräuter

Herbst: Kartoffeln, Kürbis, Kohl, Einlagerung für den Winter

Winter: Lagergemüse, Fleisch, Milchprodukte – Vorrat des Sommers

In vielen Supermarkt‑„Bio“-Konzepten werden Produkte gleichgeschaltet – gleicher Geschmack, gleiche Form, gleiche Verfügbarkeit, das ganze Jahr.


Bei uns ist jede Woche anders. Wie die Natur es gibt. Wie der Boden her vor Ort es macht.

Es bedeutet Ehrlichkeit:
saisonale Schwankungen sind keine Fehler,
sie sind Teil eines lebendigen Systems.


Biodiversität & Lebensräume

Wir fördern nicht nur Pflanzen, wir fördern Landschaften:

  • Diversitätsstreifen nicht nur Blühstreifen für Insekten
  • Hecken für Vögel und Kleinsäuger
  • Brachen für Bodenorganismen
  • satten Boden statt kargem Feld

Viele Maßnahmen, die wir ergreifen, zielen auf Vermehrung der Lebensvielfalt, nicht auf Vereinfachung.

In vielen „Bio“-Systemen ist Biodiversität ein Beipackzettel. Bei uns soll es der Grundstein sein. Wenn auf einem Feld Blumen, Gräser, Schmetterlinge, Kröten, Käfer und Blindschleichen Rehe zu sehen sind, dann wissen wir:
Hier ist Leben, Lebensraum, Landwirtchaft und Lebensmittel. Das geht zusammen! 


Landwirtschaft als Verantwortung, nicht Dienstleistung

Wir planen nach Jahresrhythmus, Boden, Wetter, Ernte – und Verantwortung. Nicht nur nach Nachfrage.


Verantwortung heißt:

  • Wir akzeptieren Ernteausfälle
  • Wir tragen Risiken gemeinsam mit denen, die unsere Lebensmittel wählen
  • Wir verzichten auf einfache Skalierbarkeit
  • Wir denken langfristig, nicht nur nach Quartalsergebnissen

Das unterscheidet uns von vielen landwirtschaftlichen Betrieben, auch von vielen Bio‑Höfen, die sich am Markt orientieren müssen.


 Wir fragen immer wieder:
 Was lässt die Landschaft, die Tiere und die Böden lebendig sein?


Antworten auf Zweifel

„Wenn ihr so arbeitet, warum ist das teurer?“
Weil wir Qualität, Bodenaufbau, Tierwohl und Biodiversität nicht nur als Kosten, sondern als Verantwortung betrachten.

„Warum nicht standardisieren?“
Weil Standardisierung die Natur abflacht. Wir arbeiten mit ihr, nicht gegen sie.

„Wie geht ihr mit schlechten Jahren um?“
Mit Planung, Solidarität, jahresweiser Beteiligung, solidarischem Ausgleich und Bereitschaft zu Schwankungen.